Schon intus? Neue Entscheidungskompetenzen!

Rund 20’000 Entscheidungen treffen wir täglich. Die meisten davon blitzschnell. Vielleicht liegt bei  ihnen der erste Entscheid noch im Bett, nach dem Aufwachen: Fünf Minuten liegen bleiben oder sofort aufstehen? 

In unserer Zeit muss immer schneller entschieden werden. So schnell, dass die Silicon Valley-Zukunftsplaner wichtige Entscheidungen schon lange immer mehr Algorithmen überlassen. «Machen Algorithmen die bessere Politik?» titelte «Die Zeit» schon 2015. Programmierer erbrachten den Nachweis, dass bei einer Vielzahl politischer Entscheidungen solche immense Datenschlaufen den schnelleren und besseren Weg wählen würden, als Menschen dazu fähig sind. Neudeutsch spricht man von «Dataismus». Mit Trump und Brexit dreht sich für viele Menschen die Welt heute etwas anders, als gerade noch. Können wir darum einfach wegschauen, abwarten, was auf uns zu kommt?

Gut, wer sich jetzt schon fit macht, für die Arbeitsplatz 4.0-Herausforderungen von Morgen. Erfahren Sie in diesem Blog, warum der Weg für persönliche neue Entscheidungskompetenzen viel näher bei ihnen liegt, als Sie denken. Und wie Sie damit heute beginnen können, solche neue Entscheidungskompetenzen zu trainieren und in sie hineinzuwachsen.

Noch ein Beispiel? Nach dem Krieg betrug die durchschnittliche Besitzdauer einer Aktie vier Jahre, erklärt der mit gut 50 Jahren pensionierte Investment-Banker Voss. Damals wurde ein Wertpapier also vier Jahre gehalten, bevor es an der Börse mit Gewinn oder Verlust wieder veräussert wurde. Da waren vor allem noch Menschen mit im Spiel. Heute beträgt die durchschnittliche Besitzdauer einer Aktie gemäss Voss, 22 Sekunden. Sie haben richtig gelesen, es sind 22 Sekunden. So lange wird ein Wertpapier heute besessen, bevor es seinen Besitzer wechselt. Durchschnittlich.

In der Arbeitswelt 4.0 sind neue Eigenschaften gefragt:

  1. Schnelle Reaktion
  2. Rasche Entscheidung auf Gegebenheiten, die wir nicht kennen, die sogar ausserhalb unserer bisherigen Wahrnehmung und Erfahrung liegen
  3. Erkennen, erspüren, wo Möglichkeiten liegen
  4. Instinktiv neue Ideen entwickeln
  5. Weiche Faktoren, wie Intuition, Emotionale Intelligenz und Instinkt werden wichtig

Alles Eigenschaften, die weit über den Kopf, über den Verstand hinausgehen. Doch woher soll man plötzlich wissen, wann und wie das Bauchgefühl einzusetzen ist? Der Trickfilmer Walt Disney brauchte dazu drei Stühle, einer für den Träumer und Visionär, wo Gedanken, Gefühle, innere Bilder, einfach alles, was in die Feder fliesst Platz hat. Auf dem zweiten Stuhl kommt der rationale Realist zum Ausdruck, der dritte Stuhl ist für den kritischen Gegenspieler reserviert. Jede Stimme hat ihre zehn Minuten Aufmerksamkeit. Danach werden die verschiedenen Aussagen gegeneinander aufgewogen, und die Entscheidung wird gefällt. Mit dem Werfen dreier Münzen kann man auch das chinesische Orakel «I Ging» befragen. Oder christlich geprägte Menschen beten zu Gott und erhoffen sich göttliche Weisung für richtige Entscheidungen. Alles gut, aber heute oft nicht mehr schnell genug.

Der Weg zu mehr Intuition

Die Möglichkeit, sich in diesem Bereich neue Kompetenzen anzueignen liegt gar nicht so fern: Zurück zu sich selber. Etwas weniger im Aussen leben und verkopft durch die Welt steuern, etwas mehr Zeit in Ruhe mit sich selber verbringen. Achtsamkeit, Meditation und Focusing sind drei wissenschaftlich erforschte Methoden, die einen gemeinsamen Nenner haben: Sie lenken den Blick auf die immense Weisheit, die in unserem Inneren schlummert und bei Bedarf die Ratio auf’s Beste unterstützt. Wenn wir sie denn zulassen.

Achtsamkeit zum Beispiel schult das klare und nicht-wertende Gewahrsein, was in jedem Augenblick geschieht. Sie ermöglicht uns, Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle und alle anderen Wahrnehmungen, ob angenehm, unangenehm oder neutral, zu erfahren und so zu akzeptieren, wie sie sind. Dabei reichen schon wenige Wochen Achtsamkeits-Praxis, um erste Veränderungen in wichtigen Hirnbereichen herbeizuführen. Aus den Erfahrungen der Teilnehmenden meiner und anderer Achtsamkeits-Trainings und Studien zufolge schon bei wenigen Minuten Übung am Tag.

Bei Meditierenden ist der präfrontale Cortex (PFC), der Hirnbereich, in dem das Denken stattfindet, grösser und aktiver. Zudem reguliert der PFC die emotionalen Areale des Gehirns. Eine Stärkung der Verbindung von Denken und Fühlen im Gehirn hilft, sich leichter emotional zu binden, stabilere Beziehungen zu anderen zu führen und die eigene soziale Intelligenz, die im Berufskontext immer wichtiger wird, zu steigern. [Farb Et al., 2007]. Dabei ist spirituell losgelöste Meditation gar nicht so schwierig, wie viele meinen.

Focusing wiederum eröffnet neue Sichtweisen auf Probleme, Herausforderungen und Fragestellungen und zeigt Wege zur Lösung, die vorher blockiert waren. Im Focusing lernen Sie den Ort in Ihnen kennen, wo Denken und Fühlen ineinander übergehen. Dabei wird das «Körperwissen» freigelegt und ergänzend zum «Kopfwissen» genutzt, um auch komplexe Probleme zu lösen. Die nächsten Schritte werden sicht- und greifbar. Überraschend einfach und erfrischend entsteht so Klarheit bei persönlichen oder beruflichen Fragestellungen und Problemen.

Probieren Sie’s aus!

Starten Sie mit dem einen oder anderen. Machen Sie dabei kleine Schritte. Um Achtsamkeit und/oder Meditation zu trainieren, empfehle ich zum Beispiel die App 7Mind: Sie starten mit nur 7 Minuten pro Tag. Um Focusing kennen zu lernen empfiehlt es sich, bei einer/einem Focusing-Begleiter:in eine Einführung zu buchen. Vorab kann das kleine Büchlein vom Begründer Gene Gendlin eine gute Einstimmung sein.

So oder so werden Sie innerhalb kurzer Zeit erstaunliche Veränderungen wahrnehmen: Sie werden schneller, sicherer, selbstverständlicher und lustvoller entscheiden. Ich selber würde davon nichts mehr freiwillig hergeben.

Soll ich Sie beim einen oder anderen Thema begleiten? Sehr gerne bin ich für Sie da!