Zahnschmerzen können höllisch weh tun. Darin habe ich in meinem Leben vielfältige Erfahrungen gemacht. Nach 20 begann für mich eine Odyssee, die von immer neuen, wiederkehrenden Schmerzen, unzähligen Zahnarztbesuchen, Eingriffen, Notfällen, Wurzelbehandlungen, Implantanten und vielen Rechnungen geprägt ist. Trotz viel Coaching-Wissen über Zusammenhänge wurde mir erst in diesen Tagen klar, dass auch Zähne Spiegel unserer Seele sind und sein können. Dafür hat mein rechter, oberer Backenzahn gesorgt. Und eine heftige Kieferentzündung. Dass mein verstorbener Bruder − bzw. mein damit verbundenes Traumata − damit zu tun haben, dafür brauchte es viele Schmerzstunden und den Hinweis einer Coaching-Frau, die sich auf Zähne und ihre Zusammenhänge spezialisiert hat: Zähne als Spiegelbild der Seele.
Schauplatz Lehrbude, ich 16 Jahre alt. Beim Waschtrog stand die grosse Ricolas-Büchse. Eine nette Mitarbeiterin sorgte dafür, dass die Büchse nie leer war. Und ich als zuckerreduziert aufgewachsener Teenager, konnte nicht widerstehen. Mindestens zwei Jahre lang stand die Büchse da. Und darin die süssen Zuckerstücke. Danach kam es noch besser: An meinem ersten Arbeitsplatz nach der Lehre stand ein Kühlschrank, voll mit allen damals verfügbaren Süssgetränken. Wie ein Traum: Alle Getränke, die ich während meiner Kindheit und Jugend nur selten kosten durfte, waren spottbillig und unendlich verfügbar. Wie mit einer spät-pubertären Schoppenflasche trank ich von Montag bis Freitag schlückchenweise die süssen Zuckergetränke. Nicht lange danach setzten die ersten Löcher ein, es hagelte einige Jahre regelrecht davon.
Das war der Ursprung. Ich kürze ab: Nach vielen geflickten Löchern, ersten Wurzelbehandlungen (die Schmerzen traten immer im Urlaub oder am Wochenende auf), folgten vor wenigen Jahren die ersten Implantate. Sechs Zahnärzte später lande ich bei einem wirklich hervorragenden Fachmann, der mir vor wenigen Wochen ein weiteres Implantat setzte, top modern, roboterunterstützt. Der beste Eingriff ever, ohne jegliche Nachwehen. Nur stiess mein Körper dieses Hightech-Implantat ab. Zeitgleich meldete sich mein Backenzahn auf der anderen Seite mit zunehmenden Schmerzen. Drei Jahre zuvor gab es an dieser Stelle schon viele leidvoll Tage. Nach einer langen Selbst-Therapiezeit mit Nelken und viel Zuwendung, gab der Zahn damals endlich Ruhe und ich konnte aufatmen: Immerhin − ein Zahn gerettet. Genau dieser Zahn meldete sich fast zeitgleich mit dem Implantatverlust zurück, mit einer steilen Schmerzkurve. Meine neue Zahnärztin im Aargau diagnostizierte richtig: Kieferentzündung. Nochmals eine Schmerzstufe intensiver, da das ganze Zahnbeet rund um den Zahn heftig schmerzte.
Auch Zähne können Spiegel der Seele sein. Ich ahnte es schon länger und suchte während Jahren immer dann, wenn es weh tat, nach diesem Puzzleteil. Auf der Suche nach einem ganzheitlich arbeitenden Zahnarzt fand ich eine Praxis, viel zu weit entfernt. jedoch mit einer Zahnarzt-Frau, die für ganzheitliche Zahnmedizin Coachings anbietet: traumabasiert, systemisch, integral ganzheitlich.
«Erst das Erkennen von Körper, Geist und Seele, eventueller seelischer und generationsbedingter Traumen und ihrer entsprechenden Berücksichtigung in der zahnärztlichen Therapie, führt schliesslich zur wirklichen integralen Betrachtungsweise und damit zur Symbiose aller Möglichkeiten des Lebens.» Auf diese Zeilen ressonierte etwas in mir stark. Ich buchte einen Termin und machte vor wenige Tagen folgende Erfahrung: Die Frau fragte nach meiner Herkunft: Eltern, Geschwister, usw. Als ich erwähnte, dass mein mittlerer Bruder mit 20 Jahren an einer Darmerkrankung überraschend starb, hakte sie ein: Verdauung. Sie beginnt mit den Zähnen und hört im Enddarm auf. Etwas in mir setzte blitzschnell das Bild zusammen, nachdem ich schon so lange gesucht hatte. Und dann war der Kanal offen und es weinte und wurde mit jeder Minute klarer, auf was mich meine Zähne schon seit vielen Jahren aufmerksam machen wollen: Mein Bruder wurde damals am Abend um 17.00 Uhr mit dem Krankenwagen abgeholt. Die Eltern fuhren schon voraus. Ich schaute als Teenager interessiert den Sanitätern zu und plötzlich entstand Hektik. Mit dem Blick aus dem Wohnzimmerfenster bekam ich mit, dass hier etwas total falsch lief. Der Krankenwagen fuhr überstürzt mit Blaulicht weg. Etwas in mir wollte es nicht wahrhaben, wusste es jedoch zutiefst: Mein geliebter Bruder war soeben gestorben. Später kam mein älterer Bruder nach Haus und sprach mir Hoffnung zu. Ich lag im Bett, wartete und konnte nicht schlafen. Sehr spät kamen dann unsere Eltern nach Hause und bestätigten, was ich schon wusste: Unser Bruder ist gestorben. Auf dem Transport kollabiert. Ich solle versuchen zu schlafen − und dann war ich alleine mit einem Schmerz, den ich so nicht kannte. Genau in solchen Momenten entstehen Traumatas, die sich unbearbeitet einschliessen, tief abgespeichert in den Zellen und mit einem Abdruck auf der Seele. Die Tage danach, mit der Beerdigung und allem, was dazu gehörte, verunmöglichten meine Trauerzeit. Das ist eine weitere Geschichte, die ich hier auslasse. Danach sprachen wir nur noch selten über Beat − den wunderbaren, jungen Mann, den Menschen mit Herzzugang und viel Feingefühl, der mit 20 Jahren viel zu früh gehen musste.
Viel später, in Selbsterfahrungsseminaren, tauchte mein Bruder immer mal wieder auf. Erst vor drei Jahren gab ich ihm im Rahmen einer Familien-Aufstellung seinen Platz in meiner Herkunftsfamilie zurück. Stellvertretend für meine Eltern. Und jetzt fordert mich mein Leben unmissverständlich auf, endlich hinzuschauen und aufzulösen, was es für mich aufzulösen gilt. In diesem Prozess stehe ich gerade. Meine Coaching-Begleiterin meinte, es sei ein Vorrecht vom älter werden, auch die andere Seite der Medaille anzuschauen: Ich habe Anteile von meinem Bruder übernommen. Unbewusst. Ich stehe auch wegen und durch ihn an meinem Lebenspunkt, wo ich gerade bin: Als Coach, systemischer Aufsteller, intuitiv, feinfühlig.
Gut, wenn man die vielfältigen Zusammenhänge vom Wunderwerk Mensch immer besser kennt: Im Fall von meiner Geschichte die Zusammenhänge zwischen Zähnen, Darm und unverarbeiteten Traumatas. Seit ich in diesem laufenden Prozess unterwegs bin, ist mein Herz von viel Freude und Dankbarkeit erfüllt. Es durfte sich etwas in mir lösen, das schon lange nach Erlösung gerufen hat. Ich hoffe und glaube, meine Zähne können sich nach diesen Erfahrungen in Zukunft wieder mehr Ruhe gönnen. Übriges war die heftige Kieferentzündung eine Woche später, beim letzten Zahnarztbesuch, auch ohne Antibiotika nahezu ganz geheilt. Bemerkenswert, wie der Körper mit Selbstheilung innerhalb kurzer Zeit reagieren kann.
Lieber Hannes
Ich bin gerade sehr berührt von Deiner Zahngeschichte.
Wieviele Jahre hast Du schon geschaut und gearbeitet.....
Und dann darf soetwas geschehen.
Vielen Dank für Dein Teilen.
Herzliche Grüsse Franziska